Positive Gefühle 1#

Schon mal versucht, positive Empfindungen aufzuschreiben, ohne die negativen zu erwähnen? Und dabei nicht „Ich freue mich, dass…“ zu verwenden?

Morgens

Ich empfinde ästhetische Bereicherung beim Anblick meiner selbst ausgewählten und angebrachten Bilder in der Küche. Werde mir wieder mal eine Geo-Thema kaufen und ein bisschen dekorieren

Ich genieße den Geschmack meiner neuen Kaffeesorte. Fühlt sich warm, wohlig, herb und kribbelig im Bauch an. Mhmmm…

Ich freue … äh Ich bin erwartungsvoll gegenüber dem Tag. Heute sollen es 30° werden, dann gewittern! Es wird spannend! (Yeah!)

Ich bin zufrieden, dass ich so schöne Klamotten habe, in denen ich nicht aussehe wie ein Honk! in denen ich gut aussehe!


Super, das war doch schon ziemlich up-cheering! Auch wenn eine Menge Ironie dabei ist, aber es geht in die richtige Richtung.

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Der erste Tag komplett nüchtern

Ich bin aufgewacht aus einem Alptraum und fing an mir Sorgen zu machen. Kurz darauf, als ich aus der Dusche stieg, kamen mir schon die Tränen, weil ich ein Bild vor Augen hatte wie mein Bruder mich anschreit und mir sagt, ich bekomme, was ich verdiene. Der erste Tag komplett ausgenüchtert.

Eigentlich ist es ja bereits der zweite, nur merke ich immer wieder, wie sich die Unbeschwertheit, die man vom Kiffen bekommt, noch in den ersten Tag mit zieht und ich gestern mit einem Radler und vielen Kippen kompensieren konnte.

Nur heute ist der zweite Tag und heute bin ich wieder ich und ich bin nicht gerne einfach nur ich. Ich bin ein Mensch, der sich viel sorgt, um Dinge, die weit in der Zukunft liegen, um Leute, weit in der Vergangenheit und sich nicht konzentrieren kann, auf Dinge, die gerade passieren. Und heute ist da sein gefragt, Termine einhalten, Leuten gegenüberstehen. Uff–

Damit bin ich auch nicht allein auf der Welt, ich weiß. Und ich habe eine Strategie. Ich werde beobachten und mir meine positiven Empfindungen erklären. Was? Außer „Freude“ gibt es nichts? Kein Wunder, dass Depression eine Volkskrankheit ist, wenn wir 1000 Wörter für negative Gefühle haben und nur ein Wort für positive.

#1

Es gibt so Tage, da hängt mir die schlechte Laune so richtig in der Fresse fest. Das sind die Tage, an denen ich mich am liebsten spontan prügeln wollen würde, nur weil einer komisch guckt. Nur guckt keiner, es will keiner und alle sind und bleiben nett. Dabei wäre so ein kleiner Gewaltausbruch genau das Richtige!

So richtig beschissen wird es erst, wenn ich mir vor Augen führe, was mir schlechte Laune macht. Zieht euch diese absurde Liste rein:

Eine Liste mit Dingen, auf die ich spucken will:

  • Herumliegender Müll und Hundescheiße
  • Produkte, die man haben will und die dann ausverkauft sind
  • Widerliche Tofufertiggerichte
  • Kein Naturtofu
  • Diäten, bei denen Frauen aussehen, als ob sie Schlamm fressen
  • Leute, die mich im Supermarkt anrempeln
  • Der Geruch von anderen Leuten
  • Scheiß Wetter
  • Zwitschernde Vögel, obwohl es Winter ist und die Viecher im Süden oder verhungert sein sollten
  • Emails, die nicht beantwortet werden
  • Rechnungen bezahlen
  • Kritik einstecken zu müssen, obwohl man selbst nachsichtig wie Sau ist
  • Voreilige Schlüsse

Das mit den Vögeln finde ich am besten. Das mit dem Tofu ist peinlich und so spießig, dass, wenn man es mir persönlich zuordnen könnte, ich jegliche Streetcreditbility verlieren würde. Das mit Menschen, Müll und Scheiße ist irgendwie verständlich. Der Rest ist harter Alltag und passiert andauernd.

Vom Leid Facebook zu lieben

Fucking Facebook. Meine Mutter, die kein Facebook nutzt, hat mich nun gewarnt: „Hier, Facebook, wenn du dich nun einloggst, NSA, Obama, CIA, Überwachung, Tod, dies das, verschiedene schlechte Dinge“. Und plötzlich stand da diese Wahrheit über mich selbst im Raum, glasklar und greifbar: Mir ist es scheißegal.

Ich habe mich saumäßig schlecht gefühlt, das könnt ihr mir glauben. Unangenehme Wahrheiten über einen selbst sind immer für den Arsch. Und festzustellen, dass man eine verantwortungslose Man-Whore von Facebook ist, ist wie ein Tritt in die Eier. Aber, verdammt, ich liebe diese Seite. Ich finde sie wirklich aus tiefsten Herzen genial.

Um mein soziales Leben zu strukturieren, gibt es für mich einfach keine konkurrenzfähige Alternative im digitalen Zeitalter. Und ja! Ich hör doch schon diese Fünf-Korn-Mischungs-Fresser. Natürlich kann ich auch ohne Social Network leben! Ich kann auch mit einem Stein Feuer machen und mir meine Anziehsachen selbst weben, wenn ich will.

Es wäre für mich ein persönlicher Rückschritt, auf Facebook zu verzichten. Ich habe nun mal ein Smartphone, bin internetabhängig, liebe Menschen und Informationen über die Welt. Ich glaube, die gesamte Menschheit marschiert genau in diese Richtung. Und Facebook, diese verfluchten Bastarde, bieten mit ihrer Seite eine kostenlose Dienstleistung an, die einfach genial ist.

Es fängt schon an, wenn ich mich einlogge: Diese simple Übersicht aus „Neue Nachricht“ und „Neue Benachrichtigungen“ – oben in der Ecke. Bäm, auf einen Blick.

Dann die News-Seite: Zusammengestellt aus persönlichem Quatsch und gelikten Websites, die durch irgendwelche Datenklau-Analysier-Algorithmen von Facebook durch andere Inhalte ergänzt werden – Und ich mag’s. Ich scrolle durch und es ist als würde ich meine eigene, auf mich persönlich zugeschnittene Tageszeitung durchblättern.

Das allergrößte Plus bei Facebook ist die Möglichkeit über soziale Events informiert zu werden. Veranstaltungen zu erstellen oder diesen beizutreten. Bei mir Zuhause fliegen Flyer rum oder landen als Vorstufe zum Papierkorb in einer Kiste – bei Facebook werden diese automatisch eingeordnet und in eine Art Terminkalender eingefügt.

Ich liebe diesen Scheiß. Ich finde, diese Seite erfüllt zu 90% all meine Ansprüche an Social Network, wobei ich vorher nicht mal wusste, was mir ein Social Network bringen soll, weil es etwas völlig Neues ist. Aber wenn man es hat, dann weiß man es: Es ist eine Art virtuelles Leben.

Und da komme ich zum großen, großen Minuspunkt: Im wahren Leben habe ich Anonymität und ich bin Herr über meine Daten. Wenn ich auf die Straße gehe, ein Geschäft besuche und es keinem erzähle, dann weiß das auch keiner. Gehe ich bei Facebook „auf die Straße in einen Laden“, dann ist das, als würde ich im RL beim Betreten eines Ladens komplett gescannt werden, diese Informationen fließen direkt zu einem Marketingunternehmen, wird ausgewertet und am nächsten Morgen beim Weg zum Bäcker bewirft man mich mit Werbung für Produkte, die es im Laden von gestern gab und Werbevertreter rufen mich urplötzlich auf dem Handy an.

Das ist doch absurd. Ich habe überhaupt keine Rechte im Internet und es gibt sie auch nicht, nicht mal meine Grundrechte. Es ist wie unbesiedeltes Land, der Wilde Westen. Jeder darf jeden erschießen, ausrauben und dem Nachbarn ungestraft vor die Tür scheißen. Im Internet muss man Sporen haben, eine Peitsche in der Hand halten und bereit sein ein sündiges Leben zu führen.

Mir ist auch klar, woran es liegt: Wir haben nun mal keine Weltregierung, welche die Grundrechte für alle international durchsetzt, aber wir haben bereits eine Plattform für internationales Leben. Das wäre ja reinste Utopie. Die gleichen Rechte für alle auf der Welt. Dass ich hier in Ruhe leben kann, mit Grundrechten, denen ich zustimme und die ich jedem auf der Welt wünsche, funktioniert nur durch nationale Grenzen und damit durch das Vorhandensein von räumlicher Distanz. Das, was es im Internet nicht gibt und was es auch nicht geben soll und darf.

Das Internet ist deshalb ein verfluchtes Machtvakuum, dass ungehindert erschlossen werden kann durch geldgeile Konzerne (siehe Wild West), und es gibt keine staatliche Macht, die mich davor beschützt, wie sie es im RL mehr oder weniger tut.

Also was soll ich tun? Mit den Konsequenzen und Nachteilen leben, oder so tun, als würde nicht seit Jahrzehnten eine technologische Revolution stattfinden?

Wenn ihr also bald auf der Straße einen Irren ein Schild in der Hand haltend seht, auf dem „WELTREGIERUNG – BITTE, JA UND JETZT!“ geschmiert ist, dann bin ich das. Don’t judge me.

Pro-Prokrastination

Prokrastination wird sicher einmal zum Unwort des Jahres gewählt werden oder wurde es bereits schon. Doch ist dieses Wort eine super Sache, um einen Zustand zu beschreiben, in dem man genau das nicht tut, was man tun sollte. „Nicht-tun“ klingt gehässig und ist absolut nicht zutreffend. Man tut ja etwas, man erledigt nur keine relevanten Dinge, so wie „Ich schreibe lieber einen Eintrag in meinen staubigen ungenutzten Blog, anstatt für baldige Prüfungen zu lernen“. Aber ich glaube, man tut sich selbst etwas sehr Gutes damit.

Wenn ich mich anhand meiner Interessen und Hobbys charakterisieren müsste, so bin ich wie Octodad nur chaotischer und mit mehr unabhängig voneinander beweglichen Armen, die sich gegenseitig behindern. Struktur in meinem Leben ist mir heilig und gleichzeitig ein fernes, utopisches Ziel und der Begriff Prokrastination bringt mir zusätzliche Struktur. Was? Das ist Blödsinn? Nein, keineswegs.

Hier ein kleiner Auszug, der Dinge, denen ich mich gerne mehrere Stunden am Tag widmen würde: Kochen, Aufräumen, Lernen, Gitarre spielen, am PC abhängen, bloggen, zeichnen, basteln, lesen, joggen, Langhanteltraining, für meine Familie und Freunde da sein. Mein Leben ist zum Bersten voll gefüllt und ich habe das Gefühl, dass ich mich keine Sekunde langweile. Insofern habe ich ein sehr erfüllendes, glückliches Leben, dem es im Grunde nur an Zeit und Struktur fehlt und jemanden, der es leben kann, ohne dabei gestresst zu werden.

Um mein Leben zu strukturieren, stelle ich mir vor, dass es aus den großen Bereichen Arbeit, Leben, Entspannung besteht.

Arbeit umfasst alles, was irgendwie unangenehm ist, weil es die Zukunft beeinflussende, verantwortungsschwangere Dinge sind, wie für Prüfungen lernen und sich um Geldangelegenheiten kümmern. Ach ja, dazu kommt noch so unangenehmer Scheiß wie Zahnarztbesuche.

Leben ist der große Pott, in den Hobbys fallen, die einfach nur dem Selbstzweck dienen. Basteln und Malen gehört dazu. Gitarre spielen, Museen und Ausstellungen besuchen. Oder auch einfach mit Freunden rumhängen. Spaßige Dinge, die einem simple, kurzfristige Freude bereiten. Im Endeffekt ist das alles Prokrastination!

Zu Entspannung gehört vor allem Essen, Schlafen und Sport. Eindrücke verarbeiten und Emotionen Raum geben ohne viel darüber nachzudenken. Auch die Zeit, die man mit seiner Familie verbringt, dort wo man sich sicher und aufgehoben fühlt, gehört dazu. Das Basis-Müsli des Lebens sozusagen. Die Grundpfeiler des Seins.

Um ein glückliches Leben zu führen, sollte man sich jedem einzelnen davon zuwenden, egal, in welcher Phase man sich derzeit befindet. Ich neige dazu, dass ich Arbeit, wenn sie dringend wird, über alles andere zu stellen, was zu Hektik, Gereiztheit und Übellaunigkeit führt, oder auch zu sprunghaften, extremen Verhalten. Plötzlich bastel ich 10h bis tief in die Nacht hinein und schlafe dann erschöpft ein, um am Morgen verpeilt und müde aufzustehen und das Gefühl zu haben, man muss sich den Tag aus dem Arsch leiern.

Ein guter Tag sieht dann z.B. so aus: Entspannen, Arbeiten, Entspannen, Leben, Arbeiten, Entspannen. Klingt geil, oder? Man prokrastiniert also bewusst jeden Tag für ein paar Stunden, mit der Vorstellung, dass man einfach lebt oder vor sich hinlebt, weil man das braucht. Beim Leben sammelt man geistige Kraft für die Arbeit und beim Entspannen wird man Stress von der Arbeit los. Stellt man sich sein Leben so vor, fühlt es sich an, als würde man ein Wellnesswochenende planen. Das schwierige ist das Konkretisieren, also dass man genau bestimmt, welcher Sache aus den drei größeren Bereichen man sich widment.

Ein guter, konkreter Plan für den Tag sieht also so aus:

  • Frühstücken/Kaffee/Zeitung/herumstieren/lange Klositzung (Entspannung)
  • Ein, zwei Seiten lernen (Arbeit)
  • Mittagessen, Mittagsschlaf (Entspannung)
  • Gitarre spielen (Leben)
  • Ein, zwei Seiten lernen (Arbeit)
  • Familie/Essen/Kinder zu Bett bringen und selbst schlafen. (Entspannung)

So kann man seine Zeit verdödeln, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Niemand kann 24h am Tag lernen, auch wenn sich das viele vornehmen und scheitern. Pro-Prokrastinieren ist angesagt. Embrace your inner Schweinehund, mein Freund. Auch der Schweinehund in dir brauch Zeit, also sei so nachsichtig und gib ihm diese.

Was viele auch nicht beachten (Ich oft auch nicht), dass auch Arbeit sehr wichtig für das eigene Leben und man sich auch diesem Feld kontinuierlich widmen sollte. Wir sind Menschen, haben ein unproportional großes Hirn und wir wollen Aufgaben damit erledigen. Arbeit ist der Bereich, in dem sich der innere Abenteurer austoben kann. Der Persönlichkeitsanteil, der am liebsten in Büchern wie Game of Thrones leben würde, als Ritter in einer unwirtlichen Welt. Auch wenn dieses Bild völlig übertrieben ist – dieses Bedürfnis nach Dopamin erfüllt sich durch Arbeiten und die Vorstellung hilft, diesen Bereich nicht mehr als komplett öde und doof zu empfinden. Man ist ein Ritter mit einer undankbaren aber wichtigen Mission zu erfüllen.

Storm Hunter Ödnis

Aber gerade habe ich mir einen länger schon existierenden Traum erfüllt: Endlich Storm Hunters sehen,ein Film über Tornados / Tornadoaffine – Also ein Film, der wie die Faust aufs Auge zu mir passt! Wer liebt es nicht, wenn alles in die Luft fliegt und im namenlosen Kaff ordentlich Bumms gemacht wird.

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Der Wahnsinn kommt in Form eines kleinen Menschen

Meine Mutter sagt mir immer, ich könne mir nicht vorstellen, wie es als Mutter ist.

Ich, ihr Sohn, würde nicht wissen, was es bedeutet und werde es auch niemals erfahren. Aber, glaubt mir, Mama und Mütter dieser Welt: Ich kann es mir vorstellen. Und es ist eine verdammt gruselige Vorstellung. Es ist sogar so erschreckend, dass ich verstehen kann, wieso manche eh schon völlig durchgeknallte Frauen, ihre armen Kinder einfrosten. Das Wunder des Lebens gibt ihnen einfach den Rest. Aber sowas Schreckliches will ich nicht hier und jetzt zum Thema machen. Der kitschige „Idealfall“ der Mutterschaft ist schon unfassbar schrecklich genug.

Stellt euch einfach folgendes Szenario vor:

Ihr seid eine Frau, ihr habt ein cooles Leben. Ihr seid intelligent und beliebt. Ihr feiert hart und ihr feiert wild. Das ganze Leben ist eine einzige Party und, meine Fresse, wenn ihr euch im Spiegel anseht, in diesem scharfen, zu kurzen Kleid, dann wisst ihr genau, dass ihr heute Abend nicht nur einen notgeilen Blicke ernten werdet.

Aber euch interessiert das natürlich nicht. Nicht euch tolle, intelligente, selbstbewusste Frau, denn ihr habt euren Macker, der den sabbernden Typen aufs Maul hauen wird. Ihr müsst nur ein Wort sagen und, bäm, gibt’s auf die Fresse. Danach guckt ihr ihn verliebt an, und erinnert euch an all die schönen, romantischen Momente am Strand, im Auto, im Bett, vor dem Fernseher. Ihr werdet geil, weil ihr auch an die sexy Momente mit ihm denken müsst. An geile Ficks überall, an verrückten Orten. Das Leben könnte kaum besser sein. Doch was ist das? Ihr spürt in euch hinein, vielleicht bei einer Tasse Tee am Fenster, wenn es draußen nebelig ist. Was ist das für eine Melancholie in euch? Diese Leere! Warum geht sie nur nicht weg? Lang, ja, lang denkt ihr darüber nach und bald triff es auch wie der Schlag. Es wird wahrscheinlich passieren, wenn ihr bei Karstadt rumlatscht, um euch geile Dessous zu kaufen und da seht ihr plötzlich niedliche, kleine Strampelanzüge. Ihr bleibt wie angewurzelt stehen und dann wird euch klar, was die ganze Zeit zum absoluten Glück gefehlt hat: Ein Baby!

Ihr geht zu eurem Macker und sagt es ihm, vielleicht erst nach Wochen oder nach Monaten des Grübelns, vielleicht sprecht ihr es sofort an. Und, nehmen wir jetzt mal den romantischen Idealfall an, er ist begeistert. Zufällig hat er auch noch diesen geilen Job als gutverdienender Ingenieur mit einer unbefristeten Anstellung bei einem internationalen Unternehmen mit Stil und Klasse. Es ist also der perfekte Zeitpunkt in eurem Leben, denn ihr selbst habt ja auch erst euren summa cum laude Uni-Abschluss gemacht. Die Familie kann kommen. Er will direkt loslegen und es ist aufregend und neu. So romantischen Sex habt ihr beide noch nie vorher gehabt.

Bald schon sitzt ihr mit eurem vollgepissten Tester auf dem Klo, nach Wochen der ausgebliebenen Menstruation, und jubelt wie bekloppt über das positive Ergebnis. Ihr rennt zum Frauenarzt mit eurem vor Glück bedröhnten Macker und freut euch so unglaublich über die Bestätigung eurer Ärztin des Vertrauens. Vielleicht habt ihr euch noch nie drüber Gedanken gemacht, aber verdammt noch mal, wieso habt ihr eine Leere verspürt, wenn ihr doch alles bereits hattet im Leben? Manchmal habt ihr auch diese Frage im Kopf, aber dann denkt ihr: ‚Ach na ja, das ist die innere biologische Uhr, das Wunder des Lebens!‘ Aber es ist vielmehr der Beginn einer niemals endenden Besessenheit.

Nun, wie sieht das Wunder des Lebens konkret aus: Nach der ersten Zeit des Glücks, wacht ihr auf und das Erste, was ihr tut, ist Kotzen. Ihr kotzt und kotzt und kotzt. Jeden verdammten Tag, wochenlang. Und ihr könnt nichts dagegen tun. Kaffee dürft ihr auch kaum trinken, und ihr habt Kopfschmerzen vom Entzug. Langsam aber sicher seht ihr wie euer Bauch anschwillt und sich nach außen dehnt. Euer Macker findet das toll, aber auch nicht so richtig geil. Sex mit ihm wird langsam aber sicher immer seltsamer. Er stößt ja auch seinen Pimmel in euch rein, wo gerade ein kleines Kind in einer Fruchtblase heranwächst. Aber ihr beide verdrängt den Gedanken mit Mühe und Not. Langsam spürt ihr, dass ihr immer seltsamer werdet. Ihr esst irgendwelchen Kram durcheinander. Ihr werdet launisch, depressiv, nervös, gelangweilt, neugierig, wütend, weinerlich, jammerig, fröhlich und das alles abwechselnd in der Zeit, die es braucht, um diesen Satz lesen. Komische Pickel entwickeln sich auf euer Stirn, als wärt ihr wieder pubertär. Eure Gliedmaßen saugen sich voll mit Wasser. Ihr schwellt immer mehr an und jeden Tag müsst ihr euch mit einölen, weil ihr schon seht, wie ihr Wachstumsstreifen durch euren sich immer weiter ausdehnenden Bauch bekommt. Eurer Bauchnabel stülpt sich schon nach außen und ihr habt Rückenschmerzen vom ständigen Hohlkreuz. Euer Macker findet euch nur noch mit Mühe geil, aber er weiß ja, dass es bald vorbei ist. Bei der Frauenärztin seht ihr auf dem Monitor das kleine Ding, das da in euch drin heranwächst. Die Ärztin hält einen klingelnden Wecker an euren Bauch, und – oh mein gott! – es bewegt sich! „Es“ ist nach ein paar Test auch zu einer „Sie“ geworden. Ein Mädchen, es ist ein kleines Mädchen! In euch drin, wächst seit Monaten ein kleiner, weiblicher, menschlicher Organismus heran! In euch wächst ein zweites Gehirn, ein zweiter Magen, ein zweiter Darm, durch Stoffe, die eurer Körper völlig ungefragt zur Verfügung stellt. Spätestens dann werdet ihr das erste Mal das Gefühl haben, euer Kopf würde explodieren. Ihr werdet mit zerzausten Haaren irre kichern und euren enormen Bauch streicheln. Euer Macker findet auch keine Worte mehr für das, was gerade abgeht.

Das kleine Wesen in euch drin, wird sich anfangen zu bewegen. Nachts werdet ihr wach, weil es von innen gegen euren Bauch tritt. Sowas kennt ihr bisher nur aus dem Film Alien aber jetzt habt ihr keine Angst, sondern reißt lieber euren Macker aus dem Schlaf, um es ihm mit zittriger Stimme zu erzählen.

Dann die Geburt. Der Punkt, ab dem ihr dann den Verstand endgültig verlieren werdet. Schmerzen, von denen ihr nicht mal geahnt habt, dass es sie gibt, durchzucken euren Körper. Schreiend und halb ohnmächtig werdet ihr eingeliefert und nach Stunden der Qualen zerreißt es euch den Unterleib. Es fühlt sich an, als würdet ihr einen Ziegelstein ausscheißen. Ihr kotet euch voll, Blut überall. Ihr wollt lieber sterben, als diese irrsinnigen Schmerzen weiter ertragen zu müssen. Das Gelaber der Hebammen nützt euch auch nichts, ihr hört es sowieso nur halb wie durch einen Schleier. Der Arm eures Mackers hat schon blaue Flecke von euren verkrampften Griffeln. Dann irgendwann ist es vorbei und irgendwas schreit. Es hört sich nicht schön an, aber für euch ist das schönste Geräusch auf der ganzen, weiten Welt. Mitten, in all dem Chaos, wird euch so ein kleines, schleimiges Etwas auf die Brust gelegt. Ein Lichtschein geht davon aus und ihr fangt mit Heulen an. Ihr flennt und verliert immer wieder das Bewusstsein. Zittrig drückt ihr eure Lippen auf das kleine Ding und flüstert ihm irgendwas ins Ohr.

Tage später seid ihr immer noch völlig geschockt vor Glück. Ihr merkt schnell, dass die Kleine, die ihr da zur Welt gebracht hat, euch genauso sehr braucht, wie ihr sie. Sie nuckelt an eurer Brust und ihr könnt sie wie im Zeitraffer wachsen sehen. Jedes zugelegte Gramm ist euch wichtiger als Wohlstand, Wissen und Anerkennung. So wächst die Kleine und ihr gewöhnt euch an euer Familienglück. Sie ist furchtbar süß, mit so riesigen blauen Augen. Ihr macht andauernd Fotos von ihr, sie brabbelt und eurer Herz fliegt in die Luft. Nachts werdet ihr wach, bevor die Kleine auch nur mit Schreien angefangen hat. Ihr folgt eurem Instinkt, dass eure Tochter Essen jetzt in diesem Moment unbedingt braucht. Nahrung aus eurem Körper. Eure Brüste sind geschwollen und heraus sprudelt eine milchige Flüssigkeit. Den ganzen Tag lang kreisen eure Gedanken nur um eure kleine Tochter. Ihr wollt lesen, aber irgendwie atmet sie komisch. Ihr geht nachsehen. Ihr wollt einen Film gucken, aber sie hustet zwei mal. Ihr messt lieber vorsichtshalber ihr Temperatur. Ihr wollt blöde Youtube-videos sehen. Sie fängt mit Schreien an. Ihr wollt Sex mit eurem Macker. Sie fängt an mit wimmern. Jedes Mal rennt ihr wie ferngesteuert hin, denn ihr habt nur sie im Kopf. Nonstop.

Die Kleine wird immer größer und irgendwann sagt sie ihr erstes Wort: „Mama“. Ja, das seid ihr. Das kleine Ding, was euch ausgebeult hat, Schmerzen zugefügt, und eure Gedanken kontrolliert, sagt jetzt „Mama“ zu euch. Sie lernt extrem schnell, kann bald laufen, klettern, ganze Sätze sprechen. Spielt am Esstisch und schreit ab und zu rum. Irgendwann müsst ihr sie auch nicht mehr windeln, weil sie von euch lernt, wie man auf die Toilette geht. Ihr fangt mit Weinen an, weil ihr es nicht fassen könnt. Sie folgt euch überall hin und braucht euch wie die Luft zum Atmen. Einmal seid ihr abgelenkt, als Besuch da ist, und die Kleine ist nicht mehr auf ihrer Kuscheldecke. Panisch rennt ihr durch die Gegend und findet sie dann in der Nähe einer Steckdose. In letzter Sekunde rettet ihr eurer Tochter das Leben und brecht dann in Tränen aus. Was hätte nicht alles passieren können? Einen Fingernagel breit stand die Welt vor dem Untergang und ihr habt es grad so vereitelt. Eurer Macker lacht nur doof rum und ihr seid sauer. Er hat keine Ahnung.

Doch dann, wenige Jahre später, passiert etwas Schreckliches. Eure Kleine kann schon allein einen PC bedienen und geht seit einiger Zeit zur Schule. Ihr müsst deshalb manchmal abends weinen vor Freude und Stolz, und dann sagt sie, als ihr mal wieder ihr Leben retten wollt: „Lass mich in Ruhe und hau ab.“ In diesem Moment bricht die Welt für euch zusammen. Ihr habt diesem kleinen, niedlichen Wesen das Leben geschenkt. Es unter Schmerzen zur Welt gebracht. Dank ihr, war euch alles egal. Ihr wolltet bloß, dass der Mensch, den ihr da produziert habt, gesund und glücklich ist. Wie habt ihr gelitten, als sie einmal Fieber hatte. Ihr seid vor Angst fast gestorben, damals. Die Ablehnung hört auch nicht auf. Sie wird älter, sie wird schöner. So wie ihr es einmal wart, als ihr noch keine Hängetitten hattet. Mit offenem Mund starrt ihr sie an, weil sie auf einmal sexy wird. Eben lag sie noch schleimig und unförmig auf eurer nackten, schwitzenden Brust und jetzt findet ihr gebrauchte Kondome in ihrem Papierkorb im Zimmer. Ihr fragt sie ungläubig, ob sie Sex mit dem Jungen hatte, den sie öfter mal mitbringt. Den lieben, kleinen mit der Topffrisur. Sie schreit euch nur an, ihr sollt nicht bei ihr rumschnüffeln und dass sie euch nun hasst wie die Pest. Am liebsten würdet ihr euch vom Balkon stürzen. Ihr habt körperliche Schmerzen. Es ist wie Liebeskummer, nur schlimmer. Am liebsten würdet ihr euch in die Klapse einweisen lassen. Aber ihr lest stattdessen komische Ratgeber zur Pubertät: Es geht angeblich vorbei.

Aber nichts geht vorbei: Ein paar Jahre später zieht sie arschwackelnd aus, und ihr seht sie von da an am häufigsten auf Facebook. Auf Bildern, die sie von sich und ihren Kumpels beim Party machen reinstellt. Irgendwann hat sie dann ihren Universitätsabschluss und ihren eigenen Macker. Und ihr werdet weinen, weil ihr so stolz, so traurig, so glücklich seid. Es pustet euch das Hirn aus dem Schädel und euer Macker muss euch halten, weil ihr hyperventilierend zusammenbrecht. So habt ihr alles für eure Tochter gegeben: eurer Leben, eure Liebe und euren Verstand.

Lasst mich noch mal zusammenfassen: Es beginnt mit einem unbegründeten Verlangen, einer glücklichen Besessenheit. Dann folgt die Erfahrung eines in euch heranwachsenden zweiten Organismus. Das ist so irre, als würde eins plus eins auf einmal drei ergeben. Es geht nicht in euren logisch denkenden Schädel rein. Dann wird euch dieser Organismus unter den größten Schmerzen wieder entrissen, in einer würdelosen Splatterszene mit euch in der Hauptrolle und von da an seid ihr auf ewig gebunden, eure Gefühle versklavt. Eurer Schicksal wird der Schmerz und das Unglück sein, denn das, was euch das Liebste auf der Welt war und nur euch gehörte, wird einmal sein Eigen werden.

Ja, Mütter dieser Welt, ihr seid zum Wahnsinn verdammt, auf immer dar.