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Es gibt so Tage, da hängt mir die schlechte Laune so richtig in der Fresse fest. Das sind die Tage, an denen ich mich am liebsten spontan prügeln wollen würde, nur weil einer komisch guckt. Nur guckt keiner, es will keiner und alle sind und bleiben nett. Dabei wäre so ein kleiner Gewaltausbruch genau das Richtige!

So richtig beschissen wird es erst, wenn ich mir vor Augen führe, was mir schlechte Laune macht. Zieht euch diese absurde Liste rein:

Eine Liste mit Dingen, auf die ich spucken will:

  • Herumliegender Müll und Hundescheiße
  • Produkte, die man haben will und die dann ausverkauft sind
  • Widerliche Tofufertiggerichte
  • Kein Naturtofu
  • Diäten, bei denen Frauen aussehen, als ob sie Schlamm fressen
  • Leute, die mich im Supermarkt anrempeln
  • Der Geruch von anderen Leuten
  • Scheiß Wetter
  • Zwitschernde Vögel, obwohl es Winter ist und die Viecher im Süden oder verhungert sein sollten
  • Emails, die nicht beantwortet werden
  • Rechnungen bezahlen
  • Kritik einstecken zu müssen, obwohl man selbst nachsichtig wie Sau ist
  • Voreilige Schlüsse

Das mit den Vögeln finde ich am besten. Das mit dem Tofu ist peinlich und so spießig, dass, wenn man es mir persönlich zuordnen könnte, ich jegliche Streetcreditbility verlieren würde. Das mit Menschen, Müll und Scheiße ist irgendwie verständlich. Der Rest ist harter Alltag und passiert andauernd.

Vom Leid Facebook zu lieben

Fucking Facebook. Meine Mutter, die kein Facebook nutzt, hat mich nun gewarnt: „Hier, Facebook, wenn du dich nun einloggst, NSA, Obama, CIA, Überwachung, Tod, dies das, verschiedene schlechte Dinge“. Und plötzlich stand da diese Wahrheit über mich selbst im Raum, glasklar und greifbar: Mir ist es scheißegal.

Ich habe mich saumäßig schlecht gefühlt, das könnt ihr mir glauben. Unangenehme Wahrheiten über einen selbst sind immer für den Arsch. Und festzustellen, dass man eine verantwortungslose Man-Whore von Facebook ist, ist wie ein Tritt in die Eier. Aber, verdammt, ich liebe diese Seite. Ich finde sie wirklich aus tiefsten Herzen genial.

Um mein soziales Leben zu strukturieren, gibt es für mich einfach keine konkurrenzfähige Alternative im digitalen Zeitalter. Und ja! Ich hör doch schon diese Fünf-Korn-Mischungs-Fresser. Natürlich kann ich auch ohne Social Network leben! Ich kann auch mit einem Stein Feuer machen und mir meine Anziehsachen selbst weben, wenn ich will.

Es wäre für mich ein persönlicher Rückschritt, auf Facebook zu verzichten. Ich habe nun mal ein Smartphone, bin internetabhängig, liebe Menschen und Informationen über die Welt. Ich glaube, die gesamte Menschheit marschiert genau in diese Richtung. Und Facebook, diese verfluchten Bastarde, bieten mit ihrer Seite eine kostenlose Dienstleistung an, die einfach genial ist.

Es fängt schon an, wenn ich mich einlogge: Diese simple Übersicht aus „Neue Nachricht“ und „Neue Benachrichtigungen“ – oben in der Ecke. Bäm, auf einen Blick.

Dann die News-Seite: Zusammengestellt aus persönlichem Quatsch und gelikten Websites, die durch irgendwelche Datenklau-Analysier-Algorithmen von Facebook durch andere Inhalte ergänzt werden – Und ich mag’s. Ich scrolle durch und es ist als würde ich meine eigene, auf mich persönlich zugeschnittene Tageszeitung durchblättern.

Das allergrößte Plus bei Facebook ist die Möglichkeit über soziale Events informiert zu werden. Veranstaltungen zu erstellen oder diesen beizutreten. Bei mir Zuhause fliegen Flyer rum oder landen als Vorstufe zum Papierkorb in einer Kiste – bei Facebook werden diese automatisch eingeordnet und in eine Art Terminkalender eingefügt.

Ich liebe diesen Scheiß. Ich finde, diese Seite erfüllt zu 90% all meine Ansprüche an Social Network, wobei ich vorher nicht mal wusste, was mir ein Social Network bringen soll, weil es etwas völlig Neues ist. Aber wenn man es hat, dann weiß man es: Es ist eine Art virtuelles Leben.

Und da komme ich zum großen, großen Minuspunkt: Im wahren Leben habe ich Anonymität und ich bin Herr über meine Daten. Wenn ich auf die Straße gehe, ein Geschäft besuche und es keinem erzähle, dann weiß das auch keiner. Gehe ich bei Facebook „auf die Straße in einen Laden“, dann ist das, als würde ich im RL beim Betreten eines Ladens komplett gescannt werden, diese Informationen fließen direkt zu einem Marketingunternehmen, wird ausgewertet und am nächsten Morgen beim Weg zum Bäcker bewirft man mich mit Werbung für Produkte, die es im Laden von gestern gab und Werbevertreter rufen mich urplötzlich auf dem Handy an.

Das ist doch absurd. Ich habe überhaupt keine Rechte im Internet und es gibt sie auch nicht, nicht mal meine Grundrechte. Es ist wie unbesiedeltes Land, der Wilde Westen. Jeder darf jeden erschießen, ausrauben und dem Nachbarn ungestraft vor die Tür scheißen. Im Internet muss man Sporen haben, eine Peitsche in der Hand halten und bereit sein ein sündiges Leben zu führen.

Mir ist auch klar, woran es liegt: Wir haben nun mal keine Weltregierung, welche die Grundrechte für alle international durchsetzt, aber wir haben bereits eine Plattform für internationales Leben. Das wäre ja reinste Utopie. Die gleichen Rechte für alle auf der Welt. Dass ich hier in Ruhe leben kann, mit Grundrechten, denen ich zustimme und die ich jedem auf der Welt wünsche, funktioniert nur durch nationale Grenzen und damit durch das Vorhandensein von räumlicher Distanz. Das, was es im Internet nicht gibt und was es auch nicht geben soll und darf.

Das Internet ist deshalb ein verfluchtes Machtvakuum, dass ungehindert erschlossen werden kann durch geldgeile Konzerne (siehe Wild West), und es gibt keine staatliche Macht, die mich davor beschützt, wie sie es im RL mehr oder weniger tut.

Also was soll ich tun? Mit den Konsequenzen und Nachteilen leben, oder so tun, als würde nicht seit Jahrzehnten eine technologische Revolution stattfinden?

Wenn ihr also bald auf der Straße einen Irren ein Schild in der Hand haltend seht, auf dem „WELTREGIERUNG – BITTE, JA UND JETZT!“ geschmiert ist, dann bin ich das. Don’t judge me.

Pro-Prokrastination

Prokrastination wird sicher einmal zum Unwort des Jahres gewählt werden oder wurde es bereits schon. Doch ist dieses Wort eine super Sache, um einen Zustand zu beschreiben, in dem man genau das nicht tut, was man tun sollte. „Nicht-tun“ klingt gehässig und ist absolut nicht zutreffend. Man tut ja etwas, man erledigt nur keine relevanten Dinge, so wie „Ich schreibe lieber einen Eintrag in meinen staubigen ungenutzten Blog, anstatt für baldige Prüfungen zu lernen“. Aber ich glaube, man tut sich selbst etwas sehr Gutes damit.

Wenn ich mich anhand meiner Interessen und Hobbys charakterisieren müsste, so bin ich wie Octodad nur chaotischer und mit mehr unabhängig voneinander beweglichen Armen, die sich gegenseitig behindern. Struktur in meinem Leben ist mir heilig und gleichzeitig ein fernes, utopisches Ziel und der Begriff Prokrastination bringt mir zusätzliche Struktur. Was? Das ist Blödsinn? Nein, keineswegs.

Hier ein kleiner Auszug, der Dinge, denen ich mich gerne mehrere Stunden am Tag widmen würde: Kochen, Aufräumen, Lernen, Gitarre spielen, am PC abhängen, bloggen, zeichnen, basteln, lesen, joggen, Langhanteltraining, für meine Familie und Freunde da sein. Mein Leben ist zum Bersten voll gefüllt und ich habe das Gefühl, dass ich mich keine Sekunde langweile. Insofern habe ich ein sehr erfüllendes, glückliches Leben, dem es im Grunde nur an Zeit und Struktur fehlt und jemanden, der es leben kann, ohne dabei gestresst zu werden.

Um mein Leben zu strukturieren, stelle ich mir vor, dass es aus den großen Bereichen Arbeit, Leben, Entspannung besteht.

Arbeit umfasst alles, was irgendwie unangenehm ist, weil es die Zukunft beeinflussende, verantwortungsschwangere Dinge sind, wie für Prüfungen lernen und sich um Geldangelegenheiten kümmern. Ach ja, dazu kommt noch so unangenehmer Scheiß wie Zahnarztbesuche.

Leben ist der große Pott, in den Hobbys fallen, die einfach nur dem Selbstzweck dienen. Basteln und Malen gehört dazu. Gitarre spielen, Museen und Ausstellungen besuchen. Oder auch einfach mit Freunden rumhängen. Spaßige Dinge, die einem simple, kurzfristige Freude bereiten. Im Endeffekt ist das alles Prokrastination!

Zu Entspannung gehört vor allem Essen, Schlafen und Sport. Eindrücke verarbeiten und Emotionen Raum geben ohne viel darüber nachzudenken. Auch die Zeit, die man mit seiner Familie verbringt, dort wo man sich sicher und aufgehoben fühlt, gehört dazu. Das Basis-Müsli des Lebens sozusagen. Die Grundpfeiler des Seins.

Um ein glückliches Leben zu führen, sollte man sich jedem einzelnen davon zuwenden, egal, in welcher Phase man sich derzeit befindet. Ich neige dazu, dass ich Arbeit, wenn sie dringend wird, über alles andere zu stellen, was zu Hektik, Gereiztheit und Übellaunigkeit führt, oder auch zu sprunghaften, extremen Verhalten. Plötzlich bastel ich 10h bis tief in die Nacht hinein und schlafe dann erschöpft ein, um am Morgen verpeilt und müde aufzustehen und das Gefühl zu haben, man muss sich den Tag aus dem Arsch leiern.

Ein guter Tag sieht dann z.B. so aus: Entspannen, Arbeiten, Entspannen, Leben, Arbeiten, Entspannen. Klingt geil, oder? Man prokrastiniert also bewusst jeden Tag für ein paar Stunden, mit der Vorstellung, dass man einfach lebt oder vor sich hinlebt, weil man das braucht. Beim Leben sammelt man geistige Kraft für die Arbeit und beim Entspannen wird man Stress von der Arbeit los. Stellt man sich sein Leben so vor, fühlt es sich an, als würde man ein Wellnesswochenende planen. Das schwierige ist das Konkretisieren, also dass man genau bestimmt, welcher Sache aus den drei größeren Bereichen man sich widment.

Ein guter, konkreter Plan für den Tag sieht also so aus:

  • Frühstücken/Kaffee/Zeitung/herumstieren/lange Klositzung (Entspannung)
  • Ein, zwei Seiten lernen (Arbeit)
  • Mittagessen, Mittagsschlaf (Entspannung)
  • Gitarre spielen (Leben)
  • Ein, zwei Seiten lernen (Arbeit)
  • Familie/Essen/Kinder zu Bett bringen und selbst schlafen. (Entspannung)

So kann man seine Zeit verdödeln, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Niemand kann 24h am Tag lernen, auch wenn sich das viele vornehmen und scheitern. Pro-Prokrastinieren ist angesagt. Embrace your inner Schweinehund, mein Freund. Auch der Schweinehund in dir brauch Zeit, also sei so nachsichtig und gib ihm diese.

Was viele auch nicht beachten (Ich oft auch nicht), dass auch Arbeit sehr wichtig für das eigene Leben und man sich auch diesem Feld kontinuierlich widmen sollte. Wir sind Menschen, haben ein unproportional großes Hirn und wir wollen Aufgaben damit erledigen. Arbeit ist der Bereich, in dem sich der innere Abenteurer austoben kann. Der Persönlichkeitsanteil, der am liebsten in Büchern wie Game of Thrones leben würde, als Ritter in einer unwirtlichen Welt. Auch wenn dieses Bild völlig übertrieben ist – dieses Bedürfnis nach Dopamin erfüllt sich durch Arbeiten und die Vorstellung hilft, diesen Bereich nicht mehr als komplett öde und doof zu empfinden. Man ist ein Ritter mit einer undankbaren aber wichtigen Mission zu erfüllen.